Krebsforschung: Wie beeinflussen genetische Faktoren und Umwelteinflüsse die Entstehung von Lymphomen?

Carreras-Stiftung fördert Lymphom-Forschung am Deutschen Krebsforschungszentrum

Warum sind bei Lymphomen in den letzten Jahrzehnten die Erkrankungs- und Sterberate angestiegen - anders als bei der Mehrzahl der übrigen Krebsarten? Dieser ungeklärten Frage gehen Dr. Alexandra Nieters und ihre Forscherkollegen von der Abteilung für Klinische Epidemiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg nach. Derzeit erkranken jährlich rund 14.500 Menschen in Deutschland neu an einem Lymphom, einer lebensbedrohlichen Erkrankung des lymphatischen Systems. Das auf zwei Jahre angelegte Forschungsprojekt wird mit 152.000 Euro von der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung e. V. gefördert. Erste Ergebnisse wurden jüngst im Dezember in Lancet Oncology (online) publiziert.

Dr. Nieters erläutert das Ziel des Forschungsprojektes: "Wir wollen herausfinden, inwieweit ein Zusammenwirken von genetischen Faktoren und Umweltfaktoren das individuelle Lymphom-Risiko beeinflussen. Die Informationen über Lebensstil und Vorerkrankungen der Patienten sollen uns helfen herauszufinden, welche Bedingungen einen Ausbruch der Krankheit begünstigen."

Dabei haben die Forscher bereits eine wichtige Entdeckung gemacht. "Wir haben herausgefunden, dass zwei Genvarianten in wichtigen Regulatoren des Immunsystems, dem Tumornekrosefaktor und Interleukin-10, das individuelle Risiko an einem Non-Hodgkin Lymphom zu erkranken, beeinflussen. Interessanterweise wirken sich diese Varianten nur auf das Erkrankungsrisiko für das diffus großzellige Lymphom aus, der häufigsten Form maligner Lymphome, während das Risiko an einem follikulären Lymphom zu erkranken, unbeeinflusst ist", so Dr. Nieters.

Grundlage für diese Forschungsarbeit ist eine multizentrischen Studie mit 2.500 Lymphom-Patienten, die zu ihrem Lebensstil und zur medizinischen Vorgeschichte wie Erkrankungen in der Kindheit, Allergien, UV-Strahlenbelastung etc. befragt wurden. Parallel dazu wurde eine entsprechende Kontrollgruppe mit 2.500 nicht erkrankten Personen befragt. Außerdem sammelten die Forscher Blutproben der Betroffenen, um nun genetischen Risikofaktoren zu untersuchen.
Über die Ursachen von Lymphomen ist bislang wenig bekannt. Ergebnisse aus der klinischen und grundlagenwissenschaftlichen Forschung weisen darauf hin, dass fehlgeleitete Immunreaktionen, beispielsweise durch Virusinfektionen, bei der Entstehung von Lymphomen eine wichtige Rolle spielen. Außerdem weiß man, dass Varianten wichtiger Gene des Immunsystems wie der Zytokine die Wirkungsweise des Immunsystems beeinflussen und in Wechselwirkung mit Umweltfaktoren das Erkrankungsrisiko für bestimmte Krankheiten mitbestimmen. Das könnte auch bei Lymphomen der Fall sein.

Die Erkenntnisse dieser Studie insbesondere über die genetischen Einflussfaktoren sollen helfen, die Therapien für Lymphom-Patienten weiter zu verbessern.
Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. finanziert mit Spendengeldern Projekte zur Bekämpfung von Leukämien und verwandten Blutkrankheiten wie Lymphomen. Ihre Förderschwerpunkte liegen insbesondere im Bereich der Forschung, im Ausbau von Kliniken und in sozialen Angeboten für Betroffene und Angehörige. Allein 2005 konnte die Carreras-Stiftung 11,1 Millionen Euro für neue Projekte zur Verfügung stellen. Weitere Informationen über die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e. V. gibt es unter www.carreras-stiftung.de

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) e.V.


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