Tübingen / München, 01.07.2008 – Am 1. Juli 2008 starten Prof. Dr. Stefan Stevanovic und sein Team am Institut für Zellbiologie der Universität Tübingen mit der Erforschung von Möglichkeiten, Menschen mit Leukämie vor der tödlichen Erkrankung zu schützen, die das Epstein-Barr-Virus (EBV) auslösen kann. Zwar ist jeder Mensch permanent mit EBV infiziert, im gesunden Zustand hat er aber keinerlei Probleme, dieses Virus im Griff zu halten. Dies gilt nicht für Leukämiepatienten. Sie besitzen nach der lebensrettenden Stammzelltransplantation für mehrere Wochen ein nur unzureichend funktionierendes Immunsystem. In diesem Zustand, aber auch in anderen Situationen der Immunschwäche, können sich Viruserkrankungen tödlich auswirken.
Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung fördert das Tübinger Projekt mit über 145.000 Euro.
Die Forscher müssen zunächst herausfinden, auf welche Angriffspunkte (Epitope) des EBV das Immunsystem eines gesunden Menschen reagiert. Die genaue Kenntnis aller Epitope ist erforderlich, um einen Schutz zu finden, der den Ausbruch einer EBV-Erkrankung bei immungeschwächten Patienten verhindert.
Daraus können sich zwei neue Therapieansätze ergeben. Die Immunzellen des Patienten selbst können im Reagenzglas gegen EBV „scharf“ gemacht werden, indem sie über mehrere Tage mit synthetisch nachgebauten Epitopen stimuliert werden. Gibt man dem Patienten diese Zellen zurück, wehrt sich das Immunsystem effizient gegen EBV. Bei dem zweiten Ansatz werden dem Patienten direkt Immunzellen eines Fremdspenders übertragen, die ihn vor einer EBV-Erkrankung schützen sollen.
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