Angesichts der großen Dynamik bei COVID-19 und der großen Verunsicherung in der Bevölkerung hat die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. ihre Empfehlungen insbesondere für Leukämie- und andere Krebspatienten aktualisiert.

Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19)

Die Zahl der weltweit und der in Deutschland an dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 erkrankten Menschen steigt rasch. Mit Stand vom 18. März 2020 waren in Deutschland über 7.500 Erkrankungsfälle bestätigt [1, 2]. Wir mahnen Krebspatienten zur besonderen Achtsamkeit und zur Beachtung der Empfehlungen der Gesundheitsbehörden. Wir weisen aber auch daraufhin, dass die Angst vor einer Gefahr (wie einer Infektion mit dem Coronavirus) nicht die Bekämpfung einer existierenden Erkrankung (wie Krebs) beeinträchtigen darf.

Was ist COVID-19, wie verläuft die Krankheit?

COVID-19 ist der Name einer neuen Infektionskrankheit. Er steht für Coronavirus Disease 2019. COVID-19 wurde im Dezember 2019 erstmals in China entdeckt. Der Erreger ist ein neues Coronavirus SARS-CoV-2, das strukturell mit dem Erreger von SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome = schweres Atemwegssyndrom) verwandt ist. Dieser Krankheitserreger ist auch für das Immunsystem neu, jeder Körper muss eigene Abwehrstoffe bilden. Bisher gibt es keine Impfung. Der Virus wird typischerweise in Abstrichen aus dem Nasenrachenraum nachgewiesen.

Das Krankheitsbild ähnelt dem einer Virusgrippe, verläuft aber verzögert. Die Inkubationszeit, das ist die Zeit von einer Ansteckung bis zu den ersten Krankheitszeichen, beträgt durchschnittlich 4 Tage. Die häufigsten Krankheitszeichen sind Husten und erhöhte Temperatur. Die Krankheit erreicht ihren Höhepunkt in der zweiten Woche, darin unterscheidet sie sich von einer Influenza. Bei vielen Personen verläuft die Infektion mit wenigen oder ohne Krankheitszeichen, sie kann aber auch zu einer Lungenentzündung führen. Kritisches Zeichen ist zunehmende Luftnot.

Nach einer Quarantäne von 14 Tagen gilt eine Infektion als ausgeschlossen.

Wer ist besonders gefährdet?

Risikofaktoren sind:

  • allgemein: Alter, Rauchen, hoher Blutdruck, Diabetes mellitus
  • besonders: Krebspatienten mit einem geschwächten Immunsystem durch
    – Leukämien, Lymphome bei aktiver Erkrankung
    – niedrige Zahl weißer Blutkörperchen
    – niedrige Immunglobulinwerte
    – langdauernde Unterdrückung des Immunsystems, z. B. durch Kortison
    – allogene Stammzelltransplantation und andere zelluläre Therapien

Ein besonderes Risiko bei Virusinfektionen der oberen Luftwege sind zusätzliche Infektionen. Vor allem Infektionen durch Bakterien und Pilze haben entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Grippeschutz- und Pneumokokken-Impfungen können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

 

Worauf müssen Krebspatienten besonders achten?

Die empfohlenen Schutzmaßnahmen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gelten auch für Krebspatienten [3]. Das sind

Schützen

– freiwillige Isolation, weitestgehende Einschränkung sozialer Kontakte, Abstand zu anderen halten

Erkennen

– erste Krankheitszeichen wie Husten und Fieber beachten

Handeln

– bei Krankheitszeichen sofortige telefonische oder elektronische Kontaktaufnahme mit Arzt oder Krankenhaus

Sollen Krebstherapien verschoben werden?

Bei jeder Krebstherapie muss der Nutzen der Behandlung gegen den möglichen Schaden, d.h. Nebenwirkungen, abgewogen werden. Das individuelle Erkrankungsrisiko ist unterschiedlich, abhängig von den Lebensumständen und den persönlichen Kontakten. Ausführlichere Empfehlungen gibt es im Onkopedia-Portal [4]. Bei den meisten, akut an Krebs erkrankten Patienten steht der Nutzen einer sinnvollen und geplanten Krebstherapie über dem Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus. Bei Patienten mit chronischer und gut beherrschter Krebskrankheit kann individuell über eine Therapieverschiebung entschieden werden.

Sind Blutübertragungen gefährlich?

Bisher liegen keine Berichte über die Übertragung von COVID-19 durch Blutübertragungen vor. Personen mit Infektionen und Personen, die in den letzten 4 Wochen Kontakt zu jemandem mit einer ansteckenden Krankheit hatten, werden in Deutschland nicht zur Blutspende zugelassen. Der Arbeitskreis Blut des Robert-Koch-Institut sieht kein Risiko einer COVID-19-Infektion durch Blutspenden [5].

* Die in diesem Text verwendeten Genderbegriffe vertreten alle Geschlechtsformen.
** Der Text wurde von Prof. Dr. Bernhard Wörmann mit Prof. Dr. Marie von Lilienfeld-Toal und Prof. Dr. Paul La Rosée verfasst.

Das Informationspapier der DGHO zum Herunterladen

covid-19-krebspatienten-20200318