Unser Stifter José Carreras: seine Biographie

Der Mensch. Der Künstler. Der Patient. Unser Stifter.

 

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José Carreras: der Mensch

José Carreras in seinem Apartment in Manhattan, 1982 (5)

 

Eckdaten

Geburtsname: Josep Maria Carreras i Coll
Künstlername: José Carreras
Alter: 75 Jahre
Geburtsdatum: 5. Dezember 1946
Geburtsort
: Barcelona, Katalonien (Spanien)
Familie: 2 Kinder (Albert Carreras und Julia Carreras), 5 Enkelkinder

1946 – Kindheit

José Carreras wird am 5. Dezember 1946 in Barcelona geboren und von seinen Eltern auf den katalanischen Namen Josep Maria getauft. Er wächst in einer Familie mit drei Kinder als Sohn von Josep Carreras i Soler und Antònia Coll i Saigi auf. Sein Vater, Gymnasiallehrer, muss nach dem Bürgerkrieg aus politischen Gründen mit seiner Familie nach Argentinien emigrieren. Nach einem Jahr kehrt die Familie nach Barcelona zurück. Der Vater wird dort Verkehrspolizist und die Mutter betreibt einen kleinen Friseurladen, wo Josep schon als Kind die Kundinnen vorsingt und begeistert.

José Carreras als Baby mit seiner Familie, 1947 (6)

José Carreras mit seiner Gesanglehrerin Magdda Prunera, 1957 (7)

 

1963 – Studium

Schon als Kind liebt José Carreras Musik. Aber nach dem Abitur schlägt er eine völlig andere Richtung ein – er beginnt zunächst, Chemie zu studieren. Doch seine eigentliche Leidenschaft für Musik setzt sich schnell durch. 1963 entscheidet er sich für ein Gesangsstudium am Conservatori Superior de Música in Barcelona.

1970 – Debüt

1970 debütiert er am Gran Teatre del Liceu in Barcelona mit der Nebenrolle Flavio in Bellinis Norma und gilt bei Kritikern sofort als Entdeckung des Jahres. Die Sopranistin Montserrat Caballé ist von ihm so begeistert, dass sie den Direktor des Opernhauses darum bittet, ihn bei ihrer nächsten Premiere als Bühnen-Partner zu haben. Nach der Rolle des Ismaels in Verdis Nabucco in Busseto, Italien, tritt er dann tatsächlich an der Seite der Opernsängerin in seiner ersten Hauptrolle in Donizettis Lucrezia Borgia in Barcelonas Liceu auf.

Debüt von José Carreras mit Montserrat Caballé in Barcelonas größten Opernhaus Gran Teatre del Liceu, 19. Dezember 1970 (8)

 

“Das Publikum von Parma hat einen Tenor gefunden”, 31. Oktober 1971 (9)

 

Die Weltkarriere von José Carreras als Tenor hat dann gleich einen rasanten Start: 1971 gewinnt der 25-Jährige den Verdi-Wettbewerb in Busseto. Anschließend wird er an der Madrider Oper engagiert und tritt wieder zusammen mit Montserrat Caballé in London in Donizettis Maria Stuarda auf. Zahlreiche Gastspiele führen ihn ab 1972 an die New Yorker City Opera, das Teatro Colón in Buenos Aires, die Oper von Chicago, die Metropolitan Opera in New York, das Londoner Royal Opera House, die Wiener Staatsoper sowie die Scala in Mailand.

1971 – Familie

Auch privat kann sich José Carreras glückliche schätzen: seinen Weg als internationaler Opernstar darf er mit seinen zwei wunderbaren Kindern teilen. Sein Sohn Albert kommt 1973 zur Welt und 1978 seine Tochter Julia. Seine Kinder werden ihn später zum fünffachen – und engagierten – Opa machen.

 

Kinder Julia und Albert besuchen seinen Vater nach einer Aufführung in Barcelonas Gran Teatre del Liceu, 1982 (10)

José Carreras mit seinen Kindern Julia und Albert (11)

José Carreras: der Patient

Infobox

Diagnose: Akute Lymphatische Leukämie
Behandlung: Autologe Knochemarktransplantation
Behandelnder Arzt und Institution: Prof. Dr. Edward Donnall Thomas, am Fred Hutchinson Cancer Research Center, Seattle
Aufnahme: 1987
Entlassung: 1988
2. Geburtstag (Tag der Stammzelltransplantation): 16. November 1987

Man muss kämpfen, kämpfen, kämpfen – und man darf nie den Mut verlieren. Aufgeben ist keine Option. Das wird einem sehr schnell klar, wenn man an Krebs erkrankt.

1987 – Diagnose

José Carreras lebt mit Familienglück und beruflicher Erfolg auf der Sonnenseite bis 1987 seine Welt zusammenbricht. Der 41-jährige erhält eine Diagnose, die sein Leben verändert: José Carreras hat Blutkrebs. 1987 kommt diese Krebsdiagnose einem Todesurteil gleich. Noch heute führt eine unbehandelte akute lymphatische Leukämie (ALL) zum Tod. Und 1987, als die Wissenschaft in der Leukämieforschung noch am Anfang steht, sind die Überlebenschancen geringer als ein Lottogewinn.

Meine erste Reaktion war: Wieso ich? (..) Ich habe mich stundenlang mit diesem Gedanken gequält, aber dann verstanden, dass das vollkommen falsch ist. Ich habe mit meiner Familie und Freunden gesprochen und dann war mir klar, dass ich den Kampf aufnehmen würde. Wenn es auch nur eine Chance unter Millionen geben sollte, dann sollte diese Chance meine sein.

1987 – Behandlung

Der Weltstar hört von einer neuen Therapie, an der Prof. Dr. Edward Donnall Thomas am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle arbeitet. Mitte der 1950er Jahre verfolgte der spätere Medizin-Nobelpreisträger bereits die Idee, Leukämie-Patienten Blutstammzellen von gesunden Spendern zu implantieren. Die ersten Ergebnisse waren niederschmetternd, aber Thomas und sein Team gaben nicht auf. Das Hauptproblem damals war die sogenannte Wirt-gegen-Spender-Reaktion, eine schwerwiegende Nebenwirkung der Stammzelltransplantation. Selbst heute noch ist dies eine häufige und schwerwiegende Nebenwirkung.

Doch obwohl José Carreras das hohe Risiko kennt, fliegt er nach Seattle.

José Carreras mit Prof. Hans-Jochem Kolb (li.), und Edward D. Thomas (re.), 1988 (12)

 

 

José Carreras umarmt seinen Arzt Prof. Ciril Rozman, 1988 (13)

 

1988 – Genesung

Anfang 1988 wird José Carreras aus dem Krankenhaus in Seattle in eine ambulante Behandlung entlassen. Damit beginnt die Phase der Erholung und der Weg zurück ins Leben. Am 26. Februar tritt José Carreras, noch geschwächt, doch mit großer Dankbarkeit seine Heimkehr an. Am Flughafen in Barcelona erwarten ihn neben seiner Familie und Freunden auch dutzende von Menschen und Journalisten. Die ganze Stadt heißt ihn willkommen.

José Carreras Ankunft am Flughafen in Barcelona nach seiner Behandlung in Seattle, 1988 (14)

 

In den nächsten Monaten erholt er sich zuhause bei seiner Familie. Langsam darf er auch wieder vorsichtig mit seiner Stimme arbeiten. Zunächst war unklar, ob diese durch die Behandlung geschädigt worden war. Aber: Die Welt der Musik hat Glück: José Carreras darf sich für seine Rückkehr als Tenor auf die Bühne vorbereiten.

José Carreras: der Künstler

1988 – Comeback

Endlich ist es soweit. Der 21. Juli 1988 wird ein Abend, der in die Musikgeschichte eingeht. Unter dem Triumphbogen seiner Heimatstadt Barcelona betritt José Carreras zum ersten Mal nach der Krankheit wieder die Bühne. 150.000 Menschen sind dabei und feiern ihn. Er wird sich lebenslang an diesen unvergesslichen Moment erinnern.

Ich habe einen Kloß im Hals und Tränen in den Augen gehabt.

Dieses Konzert ist ein eindrucksvolles Statement. José Carreras ist wieder da. Seine Stimme, sein Talent, seine Hingabe für die Musik – nichts deutet daraufhin, was der Weltstar in den vergangenen Monaten durchgemacht hat. José Carreras setzt seine steile Karriere fort. In allen Opernhäusern der Welt wird der Tenor vom Publikum gefeiert.

José Carreras bei seinem ersten Auftritt in Barcelonas Gran Teatre del Liceu nach seiner Behandlung, 1988 (15)

 

Die Wiener Staatsoper heißt José Carreras willkommen, 1988 (16)

1990 – Die Drei Tenöre

Am 7. Juli 1990 waren die Ruinen der römischen Caracalla-Therme Kulisse eines außergewöhnlichen Konzerts, das Musikgeschichte schrieb. Als José Carreras eine Anfrage für ein Konzert zur Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft in Italien bekam, erinnerte er sich an eine Idee, die er ein paar Jahr zuvor hatte: er schlug vor, mit zwei Kollegen aufzutreten, die ihm während seiner Leukämietherapie zur Seite gestanden haben: Plácido Domingo und Luciano Pavarotti. Es sollte ein Programm aus Opernarien, bekannten Liedern und Musical-Songs unter der erstklassigen Leitung von Zubin Metha werden.

José Carreras wollte damit einem breiten Publikum ein großes musikalisches Ereignis ermöglichen. Der Vorschlag wurde angenommen. Der Abend begann und die Drei Tenöre begeisterten nicht nur mit ihrem herausragenden Gesang, sondern rissen das Publikum auch mit ihrer Spontanität und ihrem freundschaftlichen Miteinander mit. Was als einmaliges Ereignis geplant war, wurde zu einem der größten Erfolge der Musikgeschichte.

Die Möglichkeit, mit den beiden Tenören zu singen, die zu den wichtigsten der Operngeschichte gehören, bedeutete für mich eine große Befriedigung auf künstlerischer, aber auch auf menschlicher Ebene.

Aber José Carreras ist nicht nur ein begnadeter Künstler, er ist auch ein großer Fußballfan. Mit insgesamt drei Fußballweltmeisterschaftskonzerten konnte der Tenor diese Leidenschaften verbinden. Ein besonders bewegendes Ereignis war zweifelsohne das Konzert am 13. Juli 1997 im Stadion seines Heimatsteams FC Barcelona.

1990 – Weltstar

Parallel zu den Drei Tenören treibt José Carreras auch seine Solo-Karriere weiter voran. So tritt er im März 2001 in Barcelonas Gran Teatre del Liceu – dem Opernhaus, in dem seine Karriere begonnen hatte – in Samson et Dalila auf. In den folgenden Jahren brilliert der Tenor in unzähligen Inszenierungen weltweit.

Die Musik von José Carreras kostenlos auf Spotify anhören.

2009 – Rückzug und Abschiedstour

Am 8. Mai 2009 gibt José Carreras seinen Rückzug von der Opernbühne bekannt, verspricht aber seinem Publikum, weiterhin kleinere, wenig kräftezehrende Konzerte zu geben. Seit 2016 ist er weltweit unterwegs mit seiner Abschiedstour „A Life in Music“. Obwohl die Aufritte von José Carreras auch von der Corona Pandemie betroffen wurden, konnte er immer wieder vor seinem Publikum singen. Sein künstlerisches Ziel ist es bei diesen letzten Konzerten, sich von allen Bühnen zu verabschieden, wo er je mal gesungen hat.

José Carreras bei seiner Abschiedsgala an der Wiener Staatsoper, 2021 (24)

 

José Carreras: der Stifter

1988 – Spanien

Er möchte etwas zurückgeben, er möchte Mut machen und er möchte helfen: José Carreras beschließt noch während seiner Therapie, sein Herzensprojekt zu starten. Die große Mission, die ihn fortan antreibt, fasst er in zwei kurzen Sätzen zusammen: „Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem.“ José Carreras weiß um sein großes Glück. Und er ist davon überzeugt, dass es nur einen Weg gibt, das große Ziel zu erreichen – über die Unterstützung der Wissenschaft und der Forschung. Nur eine bessere Medizin könne den Blutkrebs besiegen. 1988 gründet José Carreras die Stiftung „Fundación Internacional José Carreras para la lucha contra la leucemia“ mit Sitz in Barcelona.

1995 – Deutschland

Auch in Deutschland, wo José Carreras besonders viele Anhängerinnen und Anhänger hat, ist die Hilfsbereitschaft immens. Gemeinsam mit seinen größten Unterstützern und Deutschlands renommiertesten Medizinern im Bereich der Leukämie startet der Weltstar 1995 in München den Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. Ein Jahr später kommt die zugehörige Stiftung dazu. Seit der Gründung hat die Stiftung über 1.380 Forschungs-, Infrastruktur- und soziale Projekte finanziert.

José Carreras bei dem Spatenstich für die José Carreras-Transplantationsstation in München-Großhadern, 1996 (25)

 

José Carreras bei der Einweihung des José Carreras Forschungslabors der Uniklinik Regensburg, 2000 (26)

 

José Carreras besucht Gabi in ihrem Isolationszimmer in Leipzig, 2015 (27)

 

José Carreras besucht die junge Leukämiepatientin Lizanne in Berlin, 2009 (28)

 

1995 – José Carreras Gala

Am 22. Dezember 1995 erlebt Deutschland einen Abend voller besonderer Momente. Um Spenden für den Kampf gegen Leukämie in Deutschland zu generieren, bittet José Carreras seine internationalen und nationalen Künstlerfreunde auf die Bühne. Die 1. José Carreras Gala wird live vom MDR in der ARD übertragen. Mit dabei sind die Drei Tenöre, Montserrat Caballé, Udo Jürgens, Klaus Meine, Bonnie Tyler, Chris de Burgh, Anne Sophie Mutter, Kim Wilde und viele weitere Stars.

Das Spendenergebnis ist gigantisch, aber es ist erst der Anfang. Mittlerweile ist die José Carreras Gala mit 27 Ausgaben die langlebigste Spendengala im deutschen Fernsehen. José Carreras lädt jedes Jahr vor Weihnachten internationale und nationale Künstlerfreunde ein, gemeinsam gegen Leukämie zu kämpfen. Die 27. José Carreras Gala 2021 steht im Dezember bereits vor der Tür.

José Carreras bei der 4. José Carreras Gala in Leipzig, 1999 (29)

 

José Carreras bei der 25. José Carreras Gala in Leipzig mit seinen Co-Moderatorinnen Mareile Höppner (re.) und Stephanie Müller-Spirra (li.), 2019 (30)

 

1995 – Auszeichnungen

Auch José Carreras großer persönlicher Einsatz im Kampf gegen Leukämie wird immer wieder gewürdigt. Der Bundespräsident verleiht ihm das Große Bundesverdienstkreuz (2004) und die Universität Regensburg die Ehrensenatorwürde (2009), Dresden bedankt sich mit dem St. Georgs Orden (2010), die Wiener Staatsoper mit dem Ehrenring (2013) und die Universität in Marburg (2006) sowie die Universität des Saarlandes (2012) zeichnen den Weltstar und Stifter als Ehrendoktor aus.

Auch den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises (2012) und den Bayerischer Stifterpreis (2014) erhält José Carreras für seinen herausragenden Einsatz zur Erforschung und Bekämpfung von Leukämie mit Hilfe seiner Stiftung. Die Deutsche Universitätsstiftung und der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft würdigen die José Carreras Leukämie-Stiftung als Wissenschaftsstiftung des Jahres (2019) für ihre nachhaltige Förderung der Erforschung von Leukämie und anderer Blut- und Knochenmarkserkrankungen.

José Carreras trägt das zuvor verliehene Große Bundesverdienstkreuz bei der 10. José Carreras Gala in Leipzig, 2004 (31)

 

José Carreras bei der Einweihung der Jose-Carreras-Leukämiestation im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), 2011 (32)

 

Und José Carreras ist immer noch voller Tatendrang und freut sich jedes Mal, wenn er in der José Carreras Gala sagen kann:

Bitte spenden auch Sie und retten Sie Leben.
Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem.

José Carreras sagt Danke für Ihre Unterstützung (33)

 

Quellen:

Alle Zitate aus José Carreras Autobiographie, geschrieben in Zusammenarbeit mit Marius Carol: Aus vollem Herzen: Über das Geschenk des Lebens und die Kraft der Musik, Siedler Verlag 2011

Bildnachweis:
(1) Portrait
(2) Wiener Musikverein, 1994 – Privatarchiv des Autors
(3) José Carreras beim Verlassen der Klinik, 1988 – Unbekannt
(4) José Carreras bei einer Veranstaltung der DJCLS – DJCLS
(5) Privatarchiv von José Carreras
(6) Privatarchiv von José Carreras
(7) Privatarchiv von José Carreras
(8) Archiv des Gran Teatre del Liceu
(9) Gazzetta di Parma
(10) Privatarchiv von José Carreras
(11) Privatarchiv von José Carreras
(12) Privatarchiv von Prof. Kolb
(13) Privatarchiv von José Carreras
(14) Agencia EFE / César Ángel
(15) Archiv des Gran Teatre del Liceu / Antoni Bofill
(16) Privatarchiv von José Carreras
(17) Unbekannt
(18) Unbekannt
(19) Unbekannt
(20) Archiv des Gran Teatre del Liceu / Antoni Bofill
(21) Chocrón Joyeros / Brian Hallett
(22) DOPPIAA
(23) Archiv des Gran Teatre del Liceu / Antoni Bofill
(24) Fotografiefetz
(25) DJCLS
(26) DJCLS / Dieter Nübler
(27) DJCLS
(28) DJCLS
(29) DJCLS
(30) DJCLS
(31) DJCLS
(32) DJCLS
(33) DJCLS